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Extra/Ordinary. A further dimension on the rise of New Normal Dornbracht Conversations 3 in Iserlohn

Iserlohn Wie könnte heute eine Designbewegung aussehen? Oder ist ihre Zeit schon längst vorbei? Um Antworten auf diese und andere Fragen zu finden, lud der Armaturenhersteller Dornbracht am 17. Februar zu den Dornbracht Conversations 3 ein. Unter dem Titel „Extra/Ordinary – A further dimension on the rise of New Normal“ diskutierte im Kommunikationsmodul am Firmenhauptsitz in Iserlohn eine Expertenrunde über aktuelle Strömungen und die neuen Aufgaben im Design.

Seit über 15 Jahren unterstützt das international agierende Familienunternehmen im Rahmen der Dornbracht Culture Projects diverse Ausstellungen und Projekte. Mit Dornbracht Conversations – kurz DC genannt – wurde eine Plattform initiiert, die sich mit den laufenden Entwicklungen von Design, Architektur und Kunst auseinandersetzt.
Ausgangspunkt der diesjährigen Veranstaltung „Extra/Ordinary – A further dimension on the rise of New Normal“ war
die grundsätzliche Fragestellung, was die aktuellen und kommenden Designströmungen bestimmt. Handelt es sich vielleicht um eine Vielzahl von Sub-Stilen und Mikro-Bewegungen, die von keiner übergreifenden Formensprache mehr dominiert werden.

In einer ersten Diskussionsrunde setzten sich unter diesem Aspekt Andreas Dornbracht, der Designer Michael Sieger und der Chefkurator des Vitra Design Museum Mateo Kries mit der Designgeschichte und -evolution auseinander. Sie waren sich einig, dass „Memphis“ nicht nur zu den wichtigsten Designbewegungen des 20. Jahrhunderts zählt, sondern auch die letzte große gewesen sei. Entstanden in den 1980er Jahren als Gegenbewegung zum Zweckrationalismus der modernen Gestaltung, nahm sie den schnellen Wandel in der postmodernen Gesellschaft als Inspirationsquelle und stellte einen sinnlichen Bezug zwischen Objekt und Nutzer in den Mittelpunkt. „Es war der wohl radikalste Bruch in der Designgeschichte in den letzten 30 Jahren“, sagte Michael Sieger. „Die Philosophie dahinter ist auch heute noch spannend, weil Memphis den emotionalen Aspekt von Design hervorgebracht hat.“

Dank der Einführung von standardisierter Serienproduktion dominiert der Modernismus die gesamte Designgeschichte. Bis heute ist nichts entstanden, das diesen ersetzen könnte, auch wenn „Memphis“ eine wichtige ästhetische Veränderung auslöste. Beiden Bewegungen gemein sei eine gewisse Ideologie, die mehr war als ein bloßer Trend, erklärte Mateo Kries. Sie standen in Verbindung mit der sozialen Entwicklung der Gesellschaft. Seitdem gäbe es eher Mikro-Bewegungen, die Nischen einnehmen. Ein Beispiel sei das holländische Kollektiv Droog mit Entwürfen, die als narratives Mittel mit dem Nutzer kommunizieren; ein anderes sei Super Normal.

Die durch Jasper Morrison und Naoto Fukasawa initiierte Gegenbewegung ist eine Antwort auf die Designifizierung der Welt und zelebriert nicht das Designerego, das um jeden Fall auffallen will, sondern vielmehr den Gegenstand an sich. „Super Normal ist eine Mischung des Minimalismuskonzeptes mit den Erfahrungen von Memphis“, erklärte Kries. „Sie verbindet die beiden sehr entgegengesetzten Designbewegungen miteinander: die Suche nach außergewöhnlichen und zugleich funktionalen, normalen Objekten.“

„Durch die Krise der vergangenen Jahre ist die Qualität wieder in den Vordergrund gerückt,“ stellte Andreas Dornbracht fest. Und mit ihr eine ästhetische Langlebigkeit. Das derzeit wichtigste Thema sei neben der Nachhaltigkeit die Digitalisierung. „Es gibt sie schon länger im Kommunikationsbereich, aber wie wirkt sie sich auf andere Produkte aus wie einen Wasserhahn oder Textilien?“, fragte der Geschäftsführer von Dornbracht. Eine weitere wichtige Herausforderung seien die Veränderungen im Konsumentenverhalten und in der Demographie.
„Unsere Produkte sind kaum noch Statussymbol,“ erklärte er. „Das Aussehen eines Produktes hat weniger Relevanz. Wichtiger ist das Erlebnis, das ein Produkt ermöglicht. Die Interaktion mit dem Produkt stellt einen gewissen Wert dar.“

Geographie und Digitalisierung seien Realfaktoren, die nicht erfunden werden können, sondern da sind, sagte Mateo Kries. Die meisten Bewegungen entstünden durch diese Art von Faktoren; sie werden nicht geschaffen oder durch einen Markt vorangetrieben, sondern seien vielmehr die logische Konsequenz von etwas, das in der Gesellschaft passiert. „Es gibt einen Wechsel von der Nutzung des Designs als Statussymbol oder Mittel, um sich selbst zu repräsentieren, hin zu einer Rolle, die etwas mehr im Hintergrund spielt. Das ist eine wichtige Vorraussetzung für Design, um nachhaltig zu sein“, sagte der Kurator. „Design ist rationaler, vielleicht gelassener auf eine normale Art und Weise – und das ist eine gute Basis, um über nachhaltige Objekte nachzudenken.“

In einer zweiten Diskussionsrunde debattierten der Architekt und Designer Matteo Thun, der Kreativdirektor Mike Meiré sowie der Design- und Kunstkritiker Thomas Wagner über den Begriff „Extra/Ordinary“. Diesen hatte Mike Meiré gewählt, um den neuen Charakter des Designs zu beschreiben, in dem alles möglich ist und sich nichts ausschließt. In einer Zeit, die von keiner Formensprache, vielmehr von kurzlebigen Trends dominiert wird, und die von einem sozialen als auch technischen Wandel und Unsicherheiten geprägt ist, werde das Außergewöhnliche zum Gewöhnlichen – und umgekehrt, je nach Kontext.

Die Ästhetik der Neuen Normalität, da waren sich die Teilnehmer einig, sei eine Antwort des Designs auf die Wissens- und Informationsgesellschaft. Heute muss ein gutes Produkt mehrere Eigenschaften umfassen: Es muss eine Leichtigkeit haben, klar verständlich und genau sein, sichtbar, vielfältig und beständig, wählte Matteo Thun die Worte des italienischen Schriftstellers Italo Calvino, die er nach wie vor für aktuell hält. Gerade die Beständigkeit sei besonders wichtig. Sie habe zwei Bedeutungen im Sinne der Langlebigkeit einer Marke: einerseits eine ästhetische und andererseits eine technische.

Durch die Digitalisierung hat sich die materiell orientierte Kultur in eine virtuelle, digitale entwickelt – mit Produkten, die direkt zur Information führen. Ein viel zitiertes Beispiel waren iPhone oder iPad, deren Äußeres sich zurücknimmt und dem Inhalt – der Software – mehr Raum lässt. Das Design trete in den Hintergrund und werde unsichtbarer, verliere jedoch keinesfalls an Bedeutung. „Wir haben zwar die alte Lucius-Burckhardt-These im Kopf: Design ist unsichtbar“, stellte Thomas Wagner fest. „Aber nun bekommen wir eine neue Art von Objekt, das im Inneren verborgen irgendwelche Verhaltens- und Nutzungsweisen enthält.“

Eine Lösung für den Widerspruch zu finden, dass man Produkte nicht versteht, sie aber dennoch bedienen kann, sei angesichts der zunehmenden Digitalisierung die große Aufgabe des Designs. Das Design sollte heute die Rolle des Vermittlers übernehmen, der uns hilft, mit der Überfülle an Informationen umzugehen, fordert Thomas Wagner. Design arbeite schließlich an der Schnittstelle zur Ökonomie und das darf nicht in Vergessenheit geraten.

Wir leben in einer pulverisierten Gesellschaft, erklärte Matteo Thun. Eine Designbewegung wie „Memphis“ wäre heute gar nicht mehr möglich, bemerkte der Mitbegründer der italienischen Gegenbewegung. Sie entstehe aus einer Frustration heraus und bilde einen Kontrapunkt zu einer vorherrschenden Formensprache, wie zu der puristisch-industriellen der 1970er Jahre. Die großen Systeme seien schwächer geworden, stimmte Thomas Wagner zu, und das impliziere größere Freiheiten. Die starken Sender seien verschwunden, so dass man sich über zahlreiche Kommunikationswege mitteile.

„Vielleicht repräsentiert die Neue Normalität einen Paradigmenwechsel zu einer neuen Offenheit“, sagte Mike Meiré. Dogmen verlieren an Gewicht, nun ginge es um Identitäten. Vielleicht findet heute eine Art Revolution statt, stellte er fest, die jedoch nicht von Ärger und Frustration angetrieben und die zu analysieren Abstand und Zeit benötigen wird.

Es wurden viele Fragen beantwortet und viele neu aufgeworfen während der Dornbracht Conversations 3. Schlussendlich waren sich alle Teilnehmer einig, dass unsere pulverisierte Designwelt auch ohne Dogmen nicht orientierungslos ist. Die Auflösungsprozesse bieten eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten, die sich heute noch nicht festlegen lassen, sondern diverse Widersprüche mit sich bringen. Die aktuelle Herausforderung bleibt, neue Verhaltensweisen zu entwickeln, die Faktoren wie Nachhaltigkeit und Demographie ernst nehmen und Technologien, die unbekannte Terrains eröffnen, umfassen. So wechselt die Nutzung des Designs als Statussymbol zu einer Vermittlerrolle, die etwas mehr im Hintergrund spielt, um dem Inhalt mehr Raum zu lassen.

Über Dornbracht
Die Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Iserlohn ist ein international agierender, familiengeführter Hersteller hochwertiger Design-Armaturen und -Accessoires für Bad und Küche. Hoch- qualifizierte Mitarbeiter und modernste Produktionstechnologien gewährleisten Manufakturqualität auf höchstem Niveau. Das kontinuierliche Vorantreiben der eigenen Innovationskraft in Technik und Produktion sowie eine hohe Dynamik und Flexibilität machen Dornbracht zum Innovationsführer der Branche. Dornbracht gewinnt für das Design seiner Produkte regelmäßig internationale Designpreise und zeichnet sich darüber hinaus seit 1996 durch ein nachhaltiges Kulturengagement aus. Seit 2006 erscheint die Publikation „Dornbracht – the SPIRIT of WATER“ in einer Bad- und Küchen-Edition, die das Selbstverständnis von Dornbracht als Unternehmen mit kultureller Relevanz dokumentiert und auf das Spektrum der Marke Dornbracht verweist. Einerseits Magazin, andererseits Katalog, schafft die Publikation die Verbindung zwischen Inspiration, Dialog und Innovation, die das Denken und die Arbeit bei Dornbracht auszeichnet.

Weitere Informationen zu Dornbracht und den Dornbracht Produkten sowie den digitalen Pressetext erhalten Sie im Internet unter www.dornbracht.com oder über das Dornbracht Press Office: Meiré und Meiré, Stephanie Eckerskorn / Nora Niemeier / Burcu Güvenc, Lichtstr. 26-28, 50825 Köln, T. +49(0)221 57770-416 / - 507 / -432, E-Mail: s.eckerskorn@meireundmeire.de / n.niemeier@meireundmeire.de / b.guevenc@meireundmeire.de. Ihr Kontakt bei Dornbracht: Anke Siebold / Bettina Arzt / Nadine Piepenstock, Köbbingser Mühle 6, 58640 Iserlohn, T. +49(0)2371 433-2118 / -2130 / -2119, E-Mail: asiebold@dornbracht.de / barzt@dornbracht.de / npiepenstock@dornbracht.de.

01_DC3 Am 17. Februar fand die dritte Dornbracht Conversations Veranstaltung statt.

Photos: Hartmut Nägele
Copyright: Dornbracht
02_DC3 Mit den Dornbracht Conversations startete 2008 eine Diskussionsreihe, die sich als Diskurs-Plattform mit den aktuellen
Strömungen zwischen Design, Architektur und Kunst auseinandersetzt.

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03_DC3 Dornbracht Conversations 3 mit dem Titel „Extra/Ordinary – A further dimension of the rise of New Normal“ diskutierte den
veränderten Blick auf Design.

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04_DC3 Moderiert wurde die Veranstaltung von Marcus Fairs, mehrfach ausgezeichneter Journalist und Gründer des Designblogs
dezeen.com.

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05_DC3 Die Teilnehmer des ersten Panels (v.l.n.r.): Marcus Fairs (Moderator); Andreas Dornbracht (Dornbracht Geschäftsführer);
Michael Sieger (Designer); Mateo Kries (Chefkurator Vitra Design Museum)

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06_DC3 Die Teilnehmer des zweiten Panels (v.l.n.r.): Marcus Fairs (Moderator); Mike Meiré (Designer), Thomas Wagner
(Designkritiker); Matteo Thun (Architekt)

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07_DC3 Echtzeit 3D Visualisierung Dornbracht Conversations 03 von Andreas Muxel und Jakob Penca.

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08_DC3 Echtzeit 3D Visualisierung: Per Texteingabe wird zur Laufzeit ein Stimmungsbild der Diskussionsrunde generiert. Das
System basiert auf einem physikalischen Kräftespiel zwischen Sprecher und seinen Schlagworten im 3D Raum.
Gewichtung und Beziehungen der einzelne Worte werden über deren Umlaufbahn um den jeweiligen Sprecher visualisiert.

Photos: Hartmut Nägele
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