Interview mit Jens-Oliver Gasde.

Jens-Oliver Gasde (*1971), CGA Artist (Computer Generated Animation Artist), studierte an der Hochschule für Kunst und Design Halle-Burg Giebichenstein im Fachbereich Kunst und Medien und an der University of Art and Design Helsinki. Seit 2001 arbeitet er als Freelancer an unterschiedlichen Projekten. Sein Beitrag zu Noises for Ritual Architecture ist seine erste Beteiligung an einem internationalen Kulturprojekt.

Tobias Ruderer: Die von Mike Meiré geschaffenen Ritual-Architekturen zur Reinigung sind visuell schon sehr ausgearbeitet und konkret. Inwiefern sahst Du dich bei der Entwicklung der Animationen der Gefahr einer Wiederholung oder Doppelung ausgesetzt?

Jens-Oliver Gasde: Ich glaube, diese Gefahr war schon im Projektentwurf von Mike Meiré ausgeschlossen. Durch die Festlegung des Materials, mit dem ich gearbeitet habe, also die geometrischen Grundformen und das Licht in seinen zahlreichen Effekten, war einer anderen Darstellungsform der Weg bereitet. Spezifisch neu ist natürlich das Element der Bewegung:

Der spanische Architekt Santiago Calatrava beschreibt Architektur interessanterweise als 'gefrorene Bewegung'. In diesem Sinne versuchte ich mit meinen Animationen, die Bewegungsenergie der drei Bad-Architekturen wieder freizusetzen, gewissermaßen eine 'Re-Animation' zu schaffen.

TR: Dir lag als Ausgangspunkt darüber hinaus auch noch die Musik von Carlo Peters zugrunde. Welche Rolle spielte sie für Deine eigene Arbeit?

JG: Die räumliche Qualität der Musik hat mir die Tür zu den Noises-Welten eigentlich erst geöffnet. Mein Ziel war es, eine visuelle Interpretation dieser Welten zu schaffen. Im Laufe der Arbeit hat sich für jedes der drei Themen ein eigener Schwerpunkt herauskristallisiert: das Licht (bei MEM), die Bewegun (bei Logic) und das Material (bei Elemental).

TR: Welche Funktion haben Deine Animationen im Rahmen des SoundSpa?

JG: Zunächst einmal ganz banal die Erweiterung der akustischen Welt ins Visuelle: Der Besucher blickt durch ein riesiges Fenster an der Decke in einen endlosen Raum, in eine unwirkliche, aber sehr sinnliche Welt. Damit einher geht ein leichtes Heraustreten aus den im Alltag meist vorherrschenden Wahrnehmungsschemata. Das war auch für meine eigene Tätigkeit irgendwann unentbehrlich: Am liebsten habe ich in den frühen Morgenstunden an den Animationen gearbeitet. Diese Tageszeit passte am besten zum Aspekt der Entschleunigung, der den Ritual Architekturen innewohnt.

Interview: Tobias Ruderer