The planned bathroom

SYMETRICS – ARCHITECTURE MODULES OPTIONS. In diesem Bad steht alles in Beziehung zueinander. Die Module, die Materialien, die Architektur.

Thomas Edelmann: Welches Konzept steht hinter dem Programm SYMETRICS?
Benedikt Sauerland: Oft werden Elemente einer Badinstallation unglücklich auf der Wand platziert. Im Rohbau fehlt, abgesehen von den Unterputzelementen, der Bezug zu anderen Objekten wie der Wanne, die erst später installiert werden. Auch die Frage des Installateurs an den Bauherrn: „Wo hätten Sie denn gern die Handbrause?“ hilft nicht unbedingt weiter. Wie soll man darüber entscheiden? SYMETRICS bietet für diese Fälle eine Art Layout an. Jedem Grafiker dient es als Regelwerk. Es besteht aus Hilfslinien, mit denen sich gestalterische Elemente richtig platzieren lassen. Ist deren Beziehung einmal aufgeräumt, bemerkt man kein Raster mehr, sondern nur noch die saubere Installation.

Defining relationships

T.E.: Welche Vorteile bietet ein modularisiertes Bad-Programm?
B.S.: Es hilft dem Planer oder Bauherrn, Benutzerbeziehungen zu definieren. In einem Haushalt mit kleinen Kindern oder unterschiedlich großen Menschen kann man mit den Koordinaten von SYMETRICS unterschiedliche Höhen festlegen. Vor allem aber hilft es dabei, Produktbeziehungen zu definieren. Mit Montageschienen kann ich vertikale und horizontale Abstände kontrollieren. Das Grundraster von 60 mal 60 Millimetern ist durch die Abdeck- platte eines Bedienelementes definiert. Äußere gegebene Parameter führten zu diesem Maß. Kommen Bedienelemente hinzu, vergrößert sich die gemeinsame Trägerplatte entsprechend. Wir empfehlen bestimmte Abstandbeziehungen der Elemente untereinander.

T.E.: Wie wirkt sich die Modularisierung auf Design und Innenarchitektur aus?
B.S.: Mit dem Repertoire der Einzelelemente lassen sich unterschiedlichste Szenarien gestalten. Damit löst sich SYMETRICS von den tradierten Serienvorstellungen, die durch den sogenannten Designlink geprägt waren, die pure Äußerlichkeit eines gemeinsamen Nenners. Insofern geht es nicht mehr darum, dass die Armatur ruft, „sieh mal, wie schön ich bin“. Architekten und Badplaner finden Bausteine für die anspruchsvolle Planung, die zugleich mehr Sicherheit bei der Umsetzung bieten. Architekten suchen Produkte, die sich in ihre Planung einordnen, damit ein überzeugendes Gesamtbild entstehen kann. Da wäre es kontraproduktiv, wenn sich jedes Produkt im Konzept des Bades wichtig machen würde.

T.E.: Welche Szenarien sind mit SYMETRICS in Zukunft denkbar?
B.S.: Je komplexer bestimmte Aufgaben der Armaturen werden, umso sinnvoller sind elektronische Steuerungselemente. Perspektivisch ist eine Differenzierung der Steuerelemente und der Auslassstellen denkbar. Dabei ist uns wichtig, dass sich die Armaturen evolutionär verändern, dass ihre vertraute Semantik erhalten bleibt.

T.E.: Welche Zukunftsperspektiven sehen Sie für die Gestaltung im Bad?
B.S.: Das Thema Wasser bietet Möglichkeiten, die lange noch nicht ausgeschöpft sind. Da Wasser im Bad verortet ist, entstehen dort eine Reihe von Projektionsmöglichkeiten. Dazu gehören die Domestizierung von Naturerscheinungen und vieles andere mehr. Ohne esoterisch zu werden, kann man über transzendentale Faktoren des menschlichen Lebens nachdenken: Wenn wir konstatieren, dass wir zu 70 Prozent aus Wasser bestehen, und wissen, dass wir in der Lage sind zu denken und Informationen zu speichern, ist es nicht ganz abwegig anzunehmen, dass Wasser an der Speicherung von Wissen beteiligt ist. Was das fürs Entwerfen bedeutet, sei zunächst einmal dahingestellt.

T.E.: Hat sich das Verständnis von Design in letzter Zeit gewandelt?
B.S.: Als die Sanitärbranche das Design entdeckte, standen Formfindungsaufgaben mit starkem Zeitgeistbezug im Vordergrund. Damals war man der Meinung, verschiedene Geschmackssegmente bedienen zu wollen. Heute hat sich das Bild gewandelt. Die Hersteller haben ihre Programme aufgeräumt. Auch unser Selbstverständnis ist verändert. Wir sehen uns nicht mehr in erster Linie als Formfinder, sondern suchen einen konzeptionellen Zugang zu den Projekten. Andreas Dornbracht hat einmal die Frage aufgeworfen, was nach der Form komme. Über Jahre hat man den Designer heroisiert, das Autorendesign stilisiert. Meine Auffassung ist, dass man eine solide Leistung abliefern muss. Design sollte sich auf Märkte und Menschen konzentrieren, es soll neue Themen öffnen und entwickeln. Ich arbeite seit beinahe 20 Jahren bei Sieger Design und halte die Sanitärbranche für prädestiniert, über den erreichten hohen Status quo hinaus zu gehen. Derzeit minimalisieren und entmaterialisieren sich die Produkte.

T.E.: Werden Formen dadurch mehr noch als bisher austauschbar?
B.S.: Die Gefahr besteht durchaus, nicht aber, wenn man sich stärker um die Gestaltung von Erlebniswelten bemüht, als um besonders exponierte einzelne Objekte. Es ist sehr viel spannender, ein Thema wie „Zugang zum Wasser“ weiter zu entwickeln, statt immer wieder das gleiche anders zu machen. Es sind veränderte Gebrauchsweisen, die neue Herangehensweisen verlangen. Früher waren wir mitunter geneigt, den Stift zu spitzen und über die Formfindung ein Konzept zu finden. Das ist heute undenkbar. Die Öffnung des Wohnraums zur Küche hin, der Wandel des Bades von der Nasszelle zu einem Raum hoher Lebensqualität verlangen, dass man ein Konzept ausarbeitet und überprüft, bevor man mit der Umsetzung im Detail beginnt. Die Anforderungen an Architekten und Planer werden steigen. Das Bad wird sich weiter verändern. Es geht darum, die verschiedenen Funktionsbereiche stärker voneinander partizipieren zu lassen.