1 / 1

„Wir stellen uns immer wieder in Frage“

Die Tage waren lang. Vor über sechzig Jahren arbeiteten der damals 57-jährige Aloys F. Dornbracht und sein Sohn Helmut bis fünf Uhr nachmittags in anderen Betrieben, um mit dem verdienten Lohn anschließend in einer alten Baracke in Iserlohn das eigene Geschäft aufzubauen. Abend für Abend standen sie an der Werkbank und feilten an dem ersten Dornbracht-Patent: eine völlig neue Armatur mit ausziehbarem Auslauf. Bis heute ist es jener unternehmerische Geist, Wagnisse einzugehen und Veränderungen willkommen zu heißen, der den Erfolg des Familienunternehmens ausmacht. Mit den ersten Armaturen im Koffer fuhr Aloys F. Dornbracht mit dem Zug zu den Händlern nach Köln, er ging buchstäblich Klinken putzen. Einige Jahre später produzierte der Betrieb 40.000 Stück pro Monat. Heute stehen die Söhne von Helmut Dornbracht, Andreas und Matthias, an der Spitze des mittelständischen Unternehmens, das in sechs Jahrzehnten zum Weltmarktführer bei der Herstellung von Premiumarmaturen wurde und das wesentlich Einfluss genommen hat auf den kulturellen Stellenwert von Design, Architektur und Technologie im Bad.

Mehr

„Unser Denken und Arbeiten ist davon geprägt, dass wir uns und das was wir geschaffen haben immer wieder selbst in Frage stellen“, sagt Andreas Dornbracht, der im Unternehmen für die Bereiche Marketing und Vertrieb zuständig ist. Der Erfindung des ausziehbaren Laufs folgten unzählige Produktinnovationen für das Bad, die mit einem feinen Gespür für zukünftige gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen einhergingen – sie oft sogar vorweg nahmen. Als das räumlich separierte Badezimmer in den 1950er Jahren in den Neubauten zum Standard wurde, erweiterte Dornbracht den Betrieb rund um die Baracke, stellte Mitarbeiter ein und war so in der Lage, die steigende Nachfrage zu bedienen. In den 1960er und 1970er Jahren rückte die Funktionalität in den Vordergrund und mit ihr auch die Neugestaltung der Wasserstellen: die Dusche mit Thermostat, das Waschbecken mit Einhandmischer sowie Spiegelschränke, die Ablagefläche, Licht und Schalterfunktionen beinhalteten.

Die erste Luxus-Armatur.

 „Zunächst wurden wir belächelt“ Im Jahr 1969 machte Helmut Dornbracht mit der Luxus-Armatur der Edition 2000 den entscheidenden ersten Schritt, durch den das Unternehmen sich langfristig von der Konkurrenz abhob. Zunächst wurde Dornbracht belächelt für die breite, sichelförmige Armatur, die wie ein Fontänenstrahl aus dem Waschtisch herauswächst. Die Kunden reagierten anders. Ihr Bewusstsein für Design wurde geweckt – und damit begründete Dornbracht ein völlig neues Marktsegment. Es sollte nicht das einzige Mal sein, dass eine Neuentwicklung von Dornbracht für Erstaunen sorgte. In den 1980er Jahren, als Funktion und Technologie in den Augen der Kunden keine Differenzierungsmerkmale mehr waren, präsentierte Dornbracht die von Dieter Sieger gestaltete Armatur Domani. Selbst im Haus war dieses polarisierende Produkt umstritten. Aus heutiger Sicht kam es genau zur richtigen Zeit: Domani wurde vielfach kopiert und zu einem internationalen Trendsetter. Schließlich markierte es die Geburtsstunde der heutigen Marke Dornbracht: ein Unternehmen, das die stilistische und kulturelle Orientierung im Bad und in der Küche zum Kernthema seiner Philosophie macht.

1992 – Mit der Tara wird ein Designklassiker geschaffen

Die Rolle des richtungweisenden Herstellers von Design-Armaturen und -accessoires untermauerte Dornbracht Anfang der neunziger Jahre mit der Markteinführung der Zweigriff-Armatur Tara. Wieder ein äußerst progressives Konzept, denn zu dieser Zeit schien die Stellung der Einhebelmischer auf dem Markt unantastbar. „Eigentlich galt ein Zwei-Griff-Mischer als rückständig. Aber die Zeit war reif, diesen Archetyp neu zu interpretieren“, sagt Andreas Dornbracht. Wieder ging Dornbracht einen eigenen Weg, „anders als die anderen“. Das minimalistische Design von Dieter Sieger verhalf der Tara zum Kultstatus. Ausgezeichnet mit zahlreichen internationalen Preisen gilt sie heute als Designklassiker und ist weltweit Vorbild für unzählige Kopien.

Dornbracht entwickelt eine neue kulturelle Identität

Bereits 1989 integrierte Dornbracht auch Küchen-Armaturen ins Sortiment und forciert seit 2005 sein Engagement in diesem Bereich verstärkt mit eigenständigem Produktdesign. Aber der von den Brüdern Dornbracht formulierte Anspruch ging über die Vorreiterrolle im Segment hochwertiger Designarmaturen hinaus. Es stellte sich die Frage: Was kommt eigentlich nach Form und Funktion? Überzeugt von der Idee, dass die kulturelle Auseinandersetzung mit dem Element Wasser für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens wesentliche Impulse liefern würde, richtete sich Dornbracht 1996 inhaltlich neu aus. Die Kommunikationsagentur Meiré und Meiré berät das Unternehmen fortan bei der Ausgestaltung eines breit gefächerten Kunst- und Kulturengagements. Künstler, Fotografen, Autoren, Musiker und Designer bearbeiten seitdem die Themenkomplexe Rituale und Kultur. Die Publikationsreihe Statements dokumentiert diesen international ausgerichteten Prozess, an dem seit 1996 zahlreiche renommierte Künstler in unterschiedlichen Formaten und Medien mitwirken. Die Erkenntnisse aus der kulturellen Auseinandersetzung formten maßgeblich das unternehmerische Verständnis und flossen 2003 in die Entwicklung einer neuen, elementaren Armaturen- und Badästhetik ein. Die Bedürfnisse der Menschen im Bad wurden in den Mittelpunkt gerückt. Dornbracht präsentierte mit MEM eine Armatur, die sich in ihrer Formensprache maximal zurücknimmt, und überführte mit dem MEM Ritualbad grundlegende Überlegungen zum Thema Rituale in ein architektonisches Konzept.  Mit Tara .Logic und Elemental Spa entstanden bis 2007 zwei weitere Beiträge zum Thema Ritual-Architektur im Bad. „Fraktale Fabrik“ – Fortschritt und Wachstum am Standort Iserlohn Der Erfolg auf den internationalen Märkten ging einher mit dem stetigen Innovationsdrang am Produktionsstandort in Iserlohn, dessen Fläche von 8.000 Quadratmetern in den 1970er Jahren mittlerweile auf über 25.000 Quadratmeter gewachsen ist. Für Matthias Dornbracht, seit dem Einstieg der Brüder in das Unternehmen zuständig für Produktion, Einkauf und Logistik, war und ist dabei die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit bei der Fertigung auch kleiner Losgrößen bei höchsten Qualitätsansprüchen eins der wichtigsten Ziele aller technischen Verbesserungen. Um im globalen Wettbewerb die Marktführerschaft langfristig zu sichern, stieß Matthias Dornbracht vor wenigen Jahren zudem einen Prozess an, der Schritt für Schritt die Umstellung der hierarchischen, starren Unternehmensstruktur auf baulich wie operativ autarke Module vollziehen soll. Weitgehend eigenverantwortlich arbeiten heute in jeweils einem Modul Mitarbeiter eines Geschäftsfeldes von der Entwicklung über die Beschaffung bis zu Fertigung und Vertrieb zusammen. Diese Weiterentwicklung der „fraktalen  Fabrik“ soll das Verständnis der Mitarbeiter für ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg stärken, in dem sie eigenverantwortlich entscheiden, kurze Wege nutzen und insgesamt die Komplexität reduzieren. Die konsequente Umsetzung des modularen Prinzips wurde auch zum Leitgedanken bei der langfristigen Ausrichtung der organisatorischen und fertigungstechnischen Unternehmenseinheiten. Zum Beispiel in der Galvanik, dem wichtigsten Wertschöpfungsprozess bei der Herstellung von Premiumarmaturen. Nachdem im Sommer 2009 ein Brand die alte Gestellgalvanik völlig zerstört hatte, ging im Frühjahr die neue Oberflächenveredelung in zwei Produktionslinien an den Start, die artikelspezifisch und durch ihren modularen Aufbau hoch flexibel arbeiten können. Matthias Dornbracht: „Unsere Produktionssystematik ordnet sich dem Designanspruch unter. Kein Radius und keine Kante wird geändert, damit wir schneller oder günstiger fertigen können.“ Zukunft: Das Element Wasser rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt Dornbracht hält seine weltweite Spitzenposition bei der Herstellung hochwertiger Designarmaturen und -accessoires, weil das Unternehmen immer wieder in neue Wege und Ideen investiert. Über die Auseinandersetzung mit der Kultur und Architektur in den Lebensbereichen Bad und Küche öffnete sich der Blick mehr und mehr für das zentrale Element Wasser und seine Bedeutung im Alltag. Heute ist Andreas Dornbracht davon überzeugt, dass sich das Produktdesign langfristig einem gestalterischen und technischen Kontext unterordnen wird, der sich vielmehr nach den Bedürfnissen der Menschen richtet und die vielfältige Gestalt des Wassers berücksichtigt. Dornbracht wird auch bei dieser Entwicklung heute schon seiner Rolle als Wegbereiter der ganzen Branche gerecht. Mit der Entwicklung der ATT/Ambience Tuning Technique versieht das Unternehmen zum Beispiel seine Produkte für das Bad, die Balance Modules, mit einer inhaltlichen Programmatik. Die Technologie hält für den Benutzer choreographierte Duschszenarien bereit, die er mit einem einzigen Knopfdruck starten kann. Digital werden dabei verschiedene Auslassstellen gesteuert, die Wasser in unterschiedlicher Temperatur und Menge auf den Mensch im Zentrum regnen, strömen, fallen lassen. Auch im Bereich der Kücheninnovationen fließt die nähere Betrachtung von Wesen und Vielfalt des Wassers verstärkt ein. So ermöglicht das Konzept der Water Zones die räumliche Trennung der verschiedenen wasserbezogenen Arbeitsprozesse: Preparing, Cooking, Cleaning, Drinking. Ein Aufteilung, wie man sie aus Profiküchen kennt, auch für Privatküchen – klar orientiert am gelebten Alltag. Andreas Dornbracht: „Bislang stand mit dem Produkt und der Architektur sehr stark die Hardware im Vordergrund. Als große Herausforderung sehen wir darüber hinaus für die Zukunft die Beschäftigung mit der Software, dem Wasser.“

Weniger

Facts

  • Portrait

    Premiumarmaturen aus Iserlohn. Das Familienunternehmen Dornbracht setzt mit innovativen Produkten für Küche und Bad weltweit Maßstäbe.   Mehr
  • Historie

    Seit über 60 Jahren steht der Name Dornbracht für den Mut, neue Wege zu gehen. Alles begann nach Feierabend in einer Baracke in Iserlohn.   Mehr

Competence

  • Leistungsfähigkeit

    „Der Mitarbeiter muss seinen Anteil am Erfolg des Unternehmens genau kennen“ – Dornbracht steigert die Leistungsfähigkeit am Standort Iserlohn.   Mehr
  • Technologie

    Komplexe geometrische Formen werden spielend beschichtet – mit der neuen Galvanik hat sich Dornbracht einen klaren Vorsprung im Wettbewerb gesichert.   Mehr
  • Nachhaltigkeit

    Nachhaltiges Wirtschaften entsteht bei Dornbracht durch das kreative Zusammenspiel der Köpfe – über die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben hinaus.   Mehr
  • Qualität

    Internationale Auszeichnungen und Top-Kunden mit den höchsten Ansprüchen belegen die außerordentliche Qualität der Dornbracht-Produkte.   Mehr
  • Partnerschaft

    An den unternehmerischen Strategien und den gepflegten Beziehungen erkennt man, dass kein anonymes Konsortium die Geschicke bei Dornbracht lenkt.   Mehr
  • Premium

    Dornbracht erforscht seine kulturelle Identität – und trägt auf diese Weise zum Lernprozess der Premiummarke bei.   Mehr

Karriereportal

  • Karriereportal

    Spannende und anspruchsvolle Job- und Ausbildungsmöglichkeiten in einem Unternehmen, dessen Ziel es ist „anders und besser als Andere“ zu sein.   Mehr